Apple hat auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC die Abkehr von Intel bekannt gegeben. Künftig will der Konzern nicht mehr die Prozessoren von Intel in seine Mac-Computer einbauen. Damit wagt der Konzern seinen ersten Architekturwechsel seit 2005.

Vor 15 Jahren beendete Apple die Zusammenarbeit mit Motorola und IBM und stieg von seinen PowerPCs auf Macs um, die von Intel-Prozessoren angetrieben wurden. Apple-Chef Steve Jobs sah damals die Intel-Chips als leistungsfähiger an. Seitdem stecken in den Apple-Rechnern die gleichen Chips, die auch Computer von Konkurrenten wie Lenovo, HP oder Dell antreiben.

Und nun kommt der nächste Wechsel. „Dies ist ein historischer Tag für den Mac“, sagte Apple-Chef Tim Cook zum Start der hauseigenen Entwicklerkonferenz WWDC, die wegen der Corona-Pandemie ausschließlich im Internet stattfindet.

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Warum wechselt der Konzern jetzt erneut seine Architektur? Apple arbeitet bereits seit Jahren an einem eigenen Chip für seine Macs. Der Konzern hat sich bereits 2008 mit der Übernahme des Chipdesigners P.A. Semi entsprechendes Know-how mit 150 Mitarbeitern eingekauft.

Künftig sollen Prozessoren auf Grundlage der ARM-Architektur in die Macs eingebaut werden. Der ehemals britische Chipdesigner ARM gehört inzwischen zum japanischen Technologiekonzern Softbank. ARM-basierte Prozessoren treiben heute fast alle Smartphones und Tablets an. ARM lizenziert seine Architektur an Unternehmen wie Qualcomm oder eben Apple, die ihrerseits Design-Anpassungen vornehmen.

Apple gewinnt Kontrolle

Auch iPhones und iPads basieren auf der Architektur von ARM, die Apple als Grundlage für sein Design nimmt. Die aktuellen A13-Prozessoren von Apple gelten als äußerst leistungsstark. Schon der A12Z Bionic im neuen iPad Pro rendert Videos deutlich schneller als ein aktuelles MacBook Pro.

Apple gewinnt durch sein eigenes Chipdesign Kontrolle über Innovationen in seinen Computern – und muss nicht die Innovationszyklen von Intel abwarten, die zuletzt immer schwieriger vorauszusehen waren. Während Apple die Veröffentlichung neuer iPhone-Modelle für seine aufwendigen Präsentationen genau planen kann, muss der Konzern Chip-Upgrades für seine Mac-Computer in der Vergangenheit immer mal wieder zwischendurch per Pressemitteilung ankündigen.

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Der Umstieg auf ein eigenes Design wird auch dazu führen, dass Macs, iPhones und iPads näher zusammenrücken. Apple kann so seinen umfangreichen Katalog mit mehr als einer Million iPad-Apps künftig auch Mac-Nutzern zugänglich machen.

Es dürfte jedoch dauern, bis sich solche Vorteile auswirken. Entwickler müssen ihre Anwendungen für die neue Mac-Architektur anpassen. Apple selbst stellte einen solchen Umbau am Montag zum Start des WWDC als Leichtigkeit dar. Die meisten Entwickler könnten ihre Anwendungen in wenigen Tagen für die neuen Macs umbauen.

Wichtige Anwendungen wie die Video-Software Final Cut Pro, Microsoft Office, Lightroom und Photoshop von Adobe seien bereits auf die neue Architektur angepasst worden. Apple führte einige dieser Programme auf den neuen Macs vor.

Auch Microsoft hat es mit ARM versucht

Ob ein solcher Architekturwechsel wirklich gelingt, ist nicht ausgemacht. Auch Microsoft versucht sich mit seinem Betriebssystem Windows 10 auf Computern mit ARM-Chips. Doch Kritikern sind die Rechner zu langsam und die Menge der kompatiblen Anwendungen zu übersichtlich.

Nach Angaben von Apple sollen die neuen Macs jedoch schneller sein als bisher. Durch den Umstieg erhalte der Mac „eine branchenführende Leistung pro Watt und leistungsfähigere GPUs, sodass Entwickler noch leistungsfähigere Profi-Anwendungen und High-End-Spiele schreiben können“, heißt es bei Apple. GPUs sind Grafikprozessoren.

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In sein neues Mac-Betriebssystem „Big Sur“ hat Apple Technologien verbaut, die den Umstieg für Entwickler und Anwender erleichtern sollen. Darunter auch eine Anwendung mit dem Namen „Rosetta 2“, über die ältere Programme auch auf den neuen Macs laufen sollen, ohne dass sie angepasst wurden. „Rosetta“ hieß das Programm, dass vor 15 Jahren den Umstieg vom PowerPC auf Intel-Macs erleichtern sollte.

Apple will den ersten Mac mit den neuen Chips noch in diesem Jahr einführen. Die Übergangszeit soll zwei Jahre dauern. Was Apple mit Übergangszeit meint, ist nicht ganz klar, weil auch die Intel-Macs weiter angeboten werden sollen. Apple-Chef Cook kündigte sogar weitere neue Macs mit Intel-Chips an. Offenbar will sich Apple eine Hintertür offenhalten, falls der Umstieg nicht glückt.

Mac-Marktanteil liegt bei sieben Prozent

Ob Apples ARM-Umstieg dem Computermarkt eine neue Richtung gibt, ist fraglich. Macs machen nach den Zahlen des Marktforschers Gartner einen Anteil von gerade einmal sieben Prozent am Computer-Weltmarkt aus. Apple verkauft jährlich weniger als 20 Millionen Rechner.

Für Intel ist Apples Entscheidung ein Rückschlag. Apple kauft Schätzungen zufolge jährlich für etwa 3,4 Milliarden Dollar Chips bei Intel ein. Eine Trennung bringt den Chiphersteller mit einem Jahresumsatz von 72 Milliarden Dollar zwar nicht in Schwierigkeiten. Aber es ist auch kein gutes Zeichen. Intel kämpft schon seit Langem, um mit seinen Chips auch Smartphones und Tablets zu erobern – bislang weitestgehend vergeblich.

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Intel hatte mit Apple zuletzt sowieso kein Glück. Der Chiphersteller hoffte noch bis ins vergangene Jahr hinein, Apple als Kunden für seine Modemchips zu gewinnen, die in der nächsten und damit fünften Mobilfunkgeneration (5G) funken. Doch Apple entschied sich in einem mehrjährigen Vertrag für den Konkurrenten Qualcomm.

In der Folge musste Intel sein Geschäft mit Smartphone-Modems verkaufen – und ausgerechnet Apple griff für einen Preis von etwa eine Milliarde Dollar zu. Spätestens da hätte Intel klar sein müssen, dass Apple alles daran setzt, seine Technologien möglichst im eigenen Haus herzustellen.



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